Misteltherapie bei Tumorerkrankungen (1/3)
Die Mistel als Heilpflanze
Die weißbeerige Mistel (Viscum album L.) ist ein auf Bäumen wachsender Halbschmarotzer, der sich durch sein auffälliges Äußeres (kugelige Gestalt, immergrüne Blätter) und sein besonderes Verhalten (Blütezeit und Fruchtreife im Winter) aus der übrigen Pflanzenwelt deutlich heraushebt. Schon seit dem Altertum kennt man die Mistel als Heilpflanze und verwendet sie z.B. in Form eines Misteltees, auch heute noch als mildes blutdrucksenkendes Mittel. Seit 1920 werden Mistelpräparate in Form von Spritzen auch in der Krebsbehandlung eingesetzt, wobei die Wirksamkeit durch Weiterentwicklung des speziellen Herstellungsverfahrens zunehmend verbessert werden konnte.
In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Inhaltsstoffe der Mistel genauer erforscht. Dabei handelt es sich in erster Linie um kompliziert gebaute Kohlenhydrate (Polysaccharide) und Eiweißstoffe (Viscotoxine und Lektine), die im Experiment hochinteressante Eigenschaften zeigen: sie wirken zellteilungshemmend in Zellkulturen, stimulierend auf das Abwehr-(Immun-)system des Organismus oder beides zusammen. Welche Inhaltsstoffe für die Wirksamkeit gegen Tumoren letztlich verantwortlich sind, konnte bislang noch nicht eindeutig geklärt werden.
Das Mistelpräparat hemmt das Tumorwachstum ohne Beeinträchtigung gesunder Gewebe, indem es körpereigene Abwehr- und Ordnungskräfte gezielt steigert. Die Aktivierung der Immunabwehr durch die Mistel ist durch zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen bewiesen. Sie hat das Ziel, die Geschwulst vom Gesunden her einzugrenzen und die Absiedelung von Tochtergeschwülsten (Metastasen) zu verhindern.